Kommentar: »Ihlienworth: DSL in greifbarer Nähe« Eine kurze Erörterung der öffentlich bekannten Informationen zum Projekt der »SatDirect GmbH iGr« erscheint angebracht. Offensichtlich haben die Akteure, insbesondere Hermann Mahler, die Zeit genutzt und sich nach Alternativen zur Casparschen Lösung umgesehen. Dem ersten Anschein nach wurde der Anbieter gewechselt (SatDirect GbR raus, T-Systems rein), das grundlegende Konzept aber beibehalten (Stand 2006-05-30:) und die Herren Mahler und Caspar gründen nun eine "SatDirect GmbH" - aber »DSL« im marktüblichen Sinne gibt es nach wie vor nicht in der verglasfaserten Perle des Sietlands.
Es sei an dieser Stelle auf die Tatsache hingewiesen, daß
es »DSL« im üblichen Sinne in Ihlienworth wahrscheinlich nie geben wird
- die technischen Grundlagen
sind schlicht nicht
vorhanden und müßten erst kostspielig geschaffen werden. Es geht generell also nur um ein DSL-Substitut für,
ersteinmal, die beiden Hauptvorteile von eines »Breitbandzuganges« zum Internet per DSL: deutlich
höhere Geschwindigkeit (statt maximal 64 kBit/sec (ISDN) nun mind. 1000 kBit/sec, typisch 6000, maximal derzeit
16000 kBit/sec (T-DSL; alternative Anbieter bis 20000 kBit/sec() sowie pauschale, nutzungsunabhängige Tarifierung
(derzeit kostet eine DSL-Flatrate überwiegend ca. 10 EUR/Monat, zzgl.
den Kosten für den DSL-Anschluß).
Die folgende Erörterung fußt auf öffentlich zugänglichen Informationen (Zeitungsberichten, Webseiten) und versucht, das Angebot der »SatDirect GmbH iGr« technisch und aus Nutzersicht einzuordnen. Eine wesentliche Informationsquelle zum aktuellen Angebot ist die Printversion des Artikels der Niederelbe-Zeitung.
Sichtbare, wesentliche Änderung zum bisherigen Angebot, ist der Wechsel des Satellitendienstleisters: nun ist es wohl die DTAG-Tochter T-Systems. Welche Auswirkungen dies hat, kann aus der Ferne so nicht beurteilt werden. In der Pressemitteilung wird dort allerdings dem Anschein nach von einem asymetrischen Zugang (8 MBit/sec Downstream, 2 MBit/sec Upstream) gesprochen; ob dies auch für Ihlienworth gilt, wird sich zeigen. An der grundlegenden Bewertung einer Satellitenanbindung ändert dies aber nichts: zu einem geostationären Satelliten kommen die Daten nun einmal nur mit einer deutlichen Verzögerung, die Physik ist da unerbittlich und für jeden Anbieter gleich. Der geneigte Leser sollte auf Antworten auf folgende Fragen achten, ggf. selbst diese Fragen stellen:
- Welche (Maximal-)Bandbreite steht _effektiv_ am Satellitenmodem zur Verfügung? Mit welcher »Contention Rate« rechnet der Betreiber -- sprich: wieviele Nutzer teilen sich jedes MBit/sec Bandbreite?
- Ortsverteilung "drahtlos" mit 5 km Reichweite? Wie soll das bei der gegebenen Topologie funktionieren (Häuser in 2. Reihe oder hinter hohen Bäumen)?
- Anbindung über Satellit ist immer — physikalisch bedingt durch 2x 36.000 km Signalweg je Datenpaket, typisch sind das >250 ms Laufzeit des Datenpakets je Richtung — mit erheblichen Latenzen verbunden. Der Durchsatzvorteil des Satelliten kann nur bei größeren Downloads genutzt werden. Wie soll dabei eine »Erschließung mit Telefonie« (NEZ-Artikel) funktionieren (zumal Telefonie in der Region ja nicht das Problem ist -- auf traditionellem Wege über dedizierte Telefonleitungen)?
- Im NEZ-Artikel wird von einer »so genannten Flatrate« für 39,90 EUR/Monat gesprochen; ist dies eine Flatrate im Wortsinne, d. h. egal, ob dauernd 0% oder dauernd 100% Bandbreite genutzt werden, der Preis bleibt fix -- oder greifen "Fair-Use-Prinzipien", die Vielnutzer gegenüber Wenignutzern benachteiligen?
- Wie stellt sich der Anbieter zu kritischen Presseberichten über Probleme bei einer Satellitenanbindung? Beispiel SPIEGEL ONLINE: »Das Geschäftsmodell ist sehr ähnlich: Die Satelliten Astra und Eutelsat Telecom 2D funken nämlich nicht nur Fernsehbilder hinunter zur Erde, sondern auch Daten - und das theoretisch mit bis zu 24 Megabit in der Sekunde (im Fall von Teles). Nutzen viele Surfer gleichzeitig die Verbindung, sinken die realen Raten jedoch stark ab. [...] Auch sei [lt. Teles-Pressesprecherin Maria Dehmer] das Satelliten-Internet wegen zu langer Antwortzeiten etwa für Online-Spieler kaum geeignet.«
FazitAbschließend beurteilen kann man die neue Angebotslage aus der Ferne nicht; prinzipiell bleibt es aber bei der www.sietland.de-Frage »DSL im Sietland: Lösung über Satellit?« bei "Eher nicht, bestenfalls nur sehr bedingt!" als Antwort:
- es bleibt grade für Privatpersonen teuer im direkten Vergleich zu DSL
- wahrscheinlich relativ langsam (tatsächliche Werte nicht derzeit kalkulierbar)
- zu hohe Latenz (>500ms, so lange braucht heute nicht einmal ein IP-Paket von Europa über USA nach Australien)
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